|
Gut zu wissen,
was >Ost-West< tut
Wie
begannen diese Dienste?
Im Juni 1988 saßen in Gießen sieben Christen aus verschiedenen
Kirchen zusammen, um den Lehr-Diensten von Pastor Gerhard Jan
Rötting eine vereinsrechtliche Form zu geben. Christen in der
Sowjetunion hatten ihn um theologische Unterweisung für ihre
Pastoren und Diakone gebeten. Er folgte diesen Einladungen von
russischen und ukrainischen Christen und war auf
Privat-Initiative zu ihnen gereist, um sie zu unterrichten. Jahre
zuvor war Pastor Rötting als theologischer Lehrer in
Wuppertal, Gnadenthal, Breklum und Gießen tätig. Aber ihm
lagen die Christen in der Sowjetunion am Herzen, weil sie 70 Jahre - seit
der Machtübernahme der Sowjets - ohne seminaristische Ausbildung
ihre pastoralen und diakonischen Dienst ausübten: Meist unter
Androhung von langjährigen Gefängnisstrafen oder
Arbeitslager. Die russischen und ukrainischen Gemeinden existierten
deshalb zumeist im Untergrund. In den Ferien war Pastor Rötting
zu ihnen gereist. In seinen Koffern hatte er heimlich Bibeln
und Lehrmaterial versteckt. Er kannte die Bedrängnisse und
Verfolgungen der Brüder. Er unterrichtete sie im
"Verborgenen" - also im Untergrund - in den Fächern
"Biblische Auslegung des Neuen Testaments",
"Seelsorge" und "Predigtlehre". Die
KGB-Agenten waren ihm nicht selten auf den Fersen.
Deshalb wurde 1988 in Gießen die Mission Ost-West gegründet, zu
der besonders Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt den
Anstoß gab. Die Lehrdienste von Pastor Gerhard Jan Rötting
weiteten sich immer mehr aus. Sie hatten eine juristische Form
erhalten, da der Ruf aus dem Osten erfolgt war.
Freunde gewinnen
Wir gingen nun daran, Freunde über unsere Dienste zu
informieren. Das geschah durch Zeitschriften und Rundbriefe,
in denen Pastor Rötting von seinen Lehrdiensten in Russland
(besonders im Kaukasus), in der Ukraine und in der Umgebung von
Moskau erzählte. Der Freundeskreis wuchs und nahm an allem
Geschehen im Osten mit Gebeten und Gaben großen Anteil, zumal
es im mächtigen Ostblock politisch ziemlich rumorte.
1. Akzent: Unterricht (Lehre als geistlicher Tiefgang)
Der Bund der Evangeliums-Christen/Baptisten mit Sitz in Moskau wurde
auf Pastor Gerhard Jan Rötting aufmerksam und berief ihn 1990
als Professor. Es gab damals im riesigen Territorium der
Sowjetunion ein einziges Seminar, das Pastoren und Diakone
ausbildete - in Moskau. Dort fehlten qualifizierte Lehrkräfte.
Beim Unterrichten bemerkte Pastor Rötting, wie die Studenten
mit leeren Mägen an den Vorlesungen teilnahmen. Die noch
junge Mission Ost-West fuhr Lebensmittel, warme Kleidung und
Medikamente ins Moskauer Seminar.
2. Akzent: Diakonie (konkret helfen, wo Not herrscht)
Es blieb nicht dabei, hungrige Studenten zu versorgen: Wir sahen
mehr und mehr die menschlichen Nöte in der Sowjetunion. Wir
sprangen ein, wenn Gemeindemitglieder Hilfe brauchten. Es
zeigte sich: Biblische Unterweisung und humanitäre Hilfe gehören
zusammen. Zum Unterricht von Pastor Rötting in Moskau fuhren wir
jede Menge Lebensmittel per LKW in die Sowjetunion. Später
auch Schuhe und Kleidung, nicht zuletzt auch Medikamente.
3. Akzent: Evangelisation (Menschen für Jesus gewinnen)
Die Theologie-Studenten begannen in ihren Gemeinden, die "Gute
Nachricht" zu bezeugen. Auch den Menschen in ihren
Wohnorten erzählten sie von der Liebe Gottes. Die Person Jesu
stand leuchtend vor den Menschen. Es gab geistliche Aufbrüche, die
Gemeinden wuchsen. Die Nachfrage nach Neuen Testamenten und
Bibeln war enorm: Jeder wollte die Heilige Schrift selber
lesen, was den Gläubigen unter der Sowjetherrschaft unmöglich war.
Es gab keine Kinderbibeln. Sie waren der "Renner",
da sie auch von Großeltern und Eltern 'verstanden' wurden.
Wir kauften im Druckhaus Gummersbach große Mengen davon und
brachten sie in die UdSSR.
Das "Missions-Dreieck" war geboren.
Ohne es zuerst in seiner Tiefe zu verstehen, haben wir in
den ersten Jahren eine Sicht, eine Vision von Gott empfangen:
Erster Akzent:
Gottes Wort lehren.
Zweiter Akzent: Menschen
helfen.
Dritter Akzent:
Evangelium ausbreiten.
Wir erkannten: Nur nicht bei einem dieser drei Akzente stehen
bleiben - ihn überbetonen oder vernachlässigen! Sie sollten
vielmehr ständig im Dreieck "zirkulieren"!
Was
das heißt, sagt der Exkurs:
Die Kirchen- und Missionsgeschichte zeigt uns: Gottes Wort lehren -
ohne gleichzeitig diakonisch tätig zu werden, bringt kaum
geistliche Frucht. Diakonie ohne Evangelisation bringt auf
Dauer "betrieblichen Leerlauf". Evangelisation ohne Tiefe
(und Vollmacht!) aus Gottes Wort, das bringt nichts. Kurzum:
Jeder der Dreiecks-Punkte bedingt stets die beiden anderen.
Sie zirkulieren unaufhörlich im "Missions-Dreieck". Das
ist unsere "Sicht", unsere Vision im Dienst für den
Herrn Jesus.
Jede Mission braucht einen Ruf und eine Vision.
Noch bevor 1989 Michael Gorbatschow durch "Perestroika" (=
Umgestaltung) und "Glasnost" (= freie Meinungsäußerung)
den Kommunismus in der Sowjetunion ins Wanken brachte, bildete
sich aus allen Teilen des Landes eine Schar von Studenten um Pastor
Rötting. Sie hatten seinen Unterricht in Moskau erlebt und
nannten sich "Brüderlicher Kreis". Dieser Kreis
existiert heute noch. Aus den damaligen Studenten sind inzwischen
gestandene Pastoren und Superintendenten geworden, die sich
noch heute gern mit ihrem "Professor" treffen.
Dann kam ein eindeutiger Ruf: Der Kirchenpräsident, Pastor Dr.
Grigory Komendant, aus Kiew lud Pastor Gerhard Jan Rötting
zum Unterrichten in die Ukraine ein, da die meisten Pastoren,
Prediger und Diakone "noch nie ein Seminar von innen gesehen hätten".
Ihre biblisch-theologische Ausbildung bezogen sie aus der Verkündigung
in ihren Gemeinden. Die Kirchenleitung stellte ein Gebäude in Irpin
zur Verfügung, was Mission Ost-West später übernahm. Doch
dieses Seminar erwies sich schon bald als zu klein, da viele junge Männer
an den zweiwöchigen Grundkursen teilnehmen wollten. Eine zweijährige
Ausbildung wurde bald hinzugefügt. Professor Pastor Immanuel
Dauner aus Karlsruhe und Professorin Katharina Schmidt aus
Steinen bei Lörrach unterrichteten zusammen mit Pastor Gerhard
Jan Rötting an diesem Theologischen Institut in Irpin. Irpin liegt
vor den Toren der Hauptstadt Kiew. In den ersten zehn Jahren
absolvierten mehr als 1.200 ukrainische und weißrussische
Studenten ihre Ausbildung im Theologischen Institut. Zum
Unterrichten kamen uns einheimische Lehrer zu Hilfe, die zum
"Brüderlichen Kreis" gehören. Die Finanzierung der
einheimischen Lehrer und der Studenten übernahm der Freundeskreis
von Mission Ost-West.
Ein Herz ohne Liebe ist viel ärmer als eine leere Hand.
Rufe aus Rumänien, Albanien und dem Kosovo trafen bei uns ein. In
diesen ehemals kommunistisch regierten Länder gab und gibt es
noch immer Scharen von unzähligen armen Waisen- und Straßenkindern.
Pastor Gerhard Jan Rötting besuchte wiederholt diese Länder,
teilte die Nöte dem deutschen Freundeskreis mit und erhielt dessen
Unterstützung, um Hunderten von Kindern beizustehen und sie
in einheimischen Familien unterzubringen. Patenschaften
entstanden. Mit 33,- Euro im Monat wird einem Kind - sei es in Rumänien,
in Albanien oder im Kosovo - bis zum 15. Lebensjahr die Not
wendende Hilfe zuteil. Übrigens auch den "Tschernobyl"-Kindern
in der Ukraine wird so geholfen.

|
|
Letzte Änderung:
4. August 2010
© 2009-2010 Mission
>Ost-West<
35649 Bischoffen
Internetauftritt: ROnet
|