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Freundesbrief
Juni 2010
25.
Mai 2010 [gesamter
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Lieber Missionsfreund,
bevor der Mai-Monat mit seinen großen Festtagen – Himmelfahrt und
Pfingsten – zu Ende geht, will ich Ihnen
meine Freude ‚kund-tun‘: Wir haben im Mai manche Bewahrung und
einige Höhen erlebt. Aber auch Tiefen und Durchhilfen.
Zu den erlebten Bewahrungen:
Wieder haben Pastor Tahir Kajtazi / Istog und Valon Blakaj
in der vorigen Woche je zwei
Morddrohungen vom
uns bekannten „Brand-Teufel“ erhalten. Wir haben sofort eine
Gebets-Mauer um beide Mitarbeiter gebildet: Gott, der allmächtige
Herr, ist ihr und unser aller Schutz. So beten
wir – und wir glauben, was wir beten. Und sie blieben
bislang bewahrt!
Bewahrt blieben wir 37 Mitarbeiter – in Ost und West – bei
unserem ‚Unterwegs-sein‘ zu den Patenkindern in der Ukraine und
in Rumänien, im Kosovo und in Albanien. Auch bei den Fahrten zu den
Hauskreisen im Kosovo, zu den Treffen der Studentengruppen in
Albanien blieben unsere Mitarbeiter ebenso bewahrt wie bei ihren oft
weiten Fahrten zu den verschiedenen Orten, wo sie evangelisierten.
Gott hielt Seine schützende und segnende Hand über uns. Mehr noch:
Menschen – vor allem junge Leute – kamen im Mai zum Glauben. Das
hat uns besonders gefreut!
Zu den erlebten Höhen:
Auf unserem Grundstück in Lunder /Albanien haben wir nach
Wasser bohren müssen – und sind fündig geworden. Im
Bohrloch quellen 110 Liter in der Minute hervor. Diese Wassermenge
reicht sogar für eine große Kinderzahl mitsamt unseren Diakonen
und Studenten aus, wenn sie auf dem Gelände weilen. Das Bohren war
erforderlich, weil unser Grundstück in Lunder nicht ans
Wasserleitungssystem angeschlossen wird. Diese Hoffnung ist
geplatzt. Jeder Grundstückbesitzer – vor den Toren der Hauptstadt
Tirana – muss selber dafür sorgen, wie er zu Wasser kommt. Also
bohrten wir. Als gemeldet wurde: „Wasser in Fülle!“ – da gab
es sowohl bei uns in Deutschland als auch in Albanien grosse
Festfreude. Denn Wasser brauchen wir, um das Kinder- und Jugendhaus
in Lunder bauen zu können. Und Wasser wird auch künftig gebraucht
– zum Trinken und Kochen, zum Waschen und Reinigen. Das war im Mai
'10 für uns ein Höhepunkt besonderer Art.
Doch auch das waren Höhepunkte: Wir konnten
alle Rechnungen und die Familienbeihilfen für unsere
ausländischen Mitarbeiter in diesem spenden-schwachen Monat
überweisen.
Und: Der Zeckenbiss oberhalb meines linken Fusses, den ich
mir vor Wochen in der Ukraine zugezogen habe
– mit der Folge: Lähmungs-Erscheinungen im Bein – heilt nun
gut.
Zu den erlebten Tiefen:
Die Lage in Rumänien ist
für viele Familien, die wir betreuen, verheerend. Unsere
Mitarbeiterin, Frau Marta Oprita, schreibt:
„Auf uns stürmen immer schlimmere Ereignisse zu. Wir leben in einer
gewaltigen Krisensituation und die Lage in unserem Lande
verschlimmert sich Tag um Tag. Im letzten Jahr
ordnete die Regierung an: Alle Gehälter der Lehrer, Bahn- und
Postbediensteten, Ärzte und Pflegepersonal
werden eingefroren. Jetzt sollen alle Renten und Sozialhilfen –
die ohnehin sehr ‚mager‘ sind – um
weitere 25 % gekürzt werden. Ich habe Familien getroffen, die tagelang
nur mit Brennesselsuppe und Futtermais sich am Leben erhalten: Sie
haben sonst nichts anderes zu essen“.
Der Hunger regiert in Rumänien – und Martas Herz
ist arg bedrückt. Ihren ausführlichen Bericht füge
ich diesem Brief noch hinzu.
Andere „Tiefen“ gab es in der Ukraine bei den
‚Tschernobyl‘-Kindern, die bei Tag und Nacht an
ihren äußeren und inneren Verwachsungen schmerzlich leiden oder
– besonders im Frühjahr – sich mit ihren
schweren Asthma-Anfällen quälen, die ihren Eltern und allen
Umstehenden immer großen Schrecken einjagen:
Sie kommen sich so hilflos und ohnmächtig vor, wenn sie die entsprechenden
Medikamente nicht haben, um ihre Kinder aus diesen
Erstickungs-Anfällen zu retten. Wir
Missionsleute helfen mit dem deutschen „Junik“-Präparat, doch
der Umfang unseres Helfens ist aus
kostengründen nicht immer und überall möglich, obschon wir
wissen: Es geht bei den Kindern (und
Erwachsenen) oft um Leben und Tod.
Im August bereiten wir wieder ein Kinderlager in
der Ukraine vor. Wie in jedem Jahr werden wir
hundert Tschernobyl-erkrankte Kinder und ebenso viele ‚gesunde‘
Kinder bei uns haben, um ihnen wohl zu tun.
<
Zu den erlebten Durchhilfen:
Eine ähnlich not-‚volle‘ Lage wie in Rumänien
fanden wir auch in Albanien vor. Und das täglich. Hungrige
Kinder und Jugendliche klopfen schon in aller Frühe des Tages an
die Türen unserer Mitarbeiter und fragen nach
Brot. Solch Kinder-Elend hautnah vor der eigenen Haustür zu
erleben, macht barmherzig. Wenn die hungrigen
Kinder und Jugendlichen unsere Mitarbeiter auf der
Straße entdecken, dann stürmen sie heran und hängen wie Kletten
an ihnen. Oft reichen die Brüder den Kindern
das letzte Stück Brot, das sie zuhause haben, und haben dann selber
für den Tag nichts auf ihren Tellern.
Wir schicken unseren Mitarbeitern monatlich eine
Familienbeihilfe, die 300 Euro ausmacht. Das
ist nicht reichlich für ihre Familien. Doch mehr vermögen
wir von Deutschland aus nicht zu geben. Das
ist herz-erschütternd anzusehen, wie sie trotzdem von dem Wenigen
aus-teilen. Sie sagen uns: Kein Kind soll
wegen Hunger sterben. Mich hat es
erschüttert zu hören, wie nachts an
verschiedenen Stellen der Hauptstadt Tirana ein
leisen Wimmern, manchmal auch ein lautes Aufschreien zu vernehmen
ist. Katzen sind das nicht. Die jaulen anders.
Es klingt nach Hyänen. Aber gibt es Hyänen in Tirana? Wen würde
es wundern? Doch unsere Diakone und Pastoren
wissen es besser: Wenn sie neben parkenden Autos niederknien
und mit ihren Händen darunter greifen, packen sie zerlumpte
Kinderkleider und ziehen ein oder zwei Kinder
hervor, die unter Autos Schutz in der Dunkelheit gesucht haben vor Banditen,
die sie mitnehmen und ausnutzen könnten. Und diese ‚Würmchen‘
haben Hunger. Daher das Wimmern und Jammern in
den Nächten! In solchen Augenblicken nützen nicht ein paar vertröstende
Worte: ‚Kinder, bald kommt der Morgen. Dann wird es wieder
wärmer. Dann geht es euch wieder besser‘.
Diese Kinder und Jugendliche brauchen je eine warme Decke, in die
sie sich nachts einhüllen können – sie
brauchen am Tage einmal eine warme Mahlzeit. Sie brauchen uns, weil
sie sonst niemanden haben, der sie umsorgt und liebt! Eine warme
Decke kostet nur 19.20 Euro, eine warme
Mahlzeit kostet weniger als vier Euro. Danke, dass Sie unsere
albanischen Mitarbeiter nicht vergessen –
und so es Ihnen möglich ist – ihnen mit Wenig oder Viel die
Hände füllen, damit sie den Kleinen und
Hilflosen beistehen und umsorgen können. Und was beobachten wir?
Wenn wir konkret helfen, wächst Vertrauen und Liebe. Auch die Liebe
zu Gott wächst, wenn unsere Mitarbeiter den
Kindern von Jesus erzählen, während sie ihnen Speisen bereiten und
an sie austeilen. Wir können den armen Kindern unseren großen Gott
nur lieb machen, wenn wir ihnen gleichzeitig
den Bauch füllen. So einfach ist „Straßen-Evangelisation“. Solcher
Einsatz an Zeit und Kraft passiert nicht etwa
nur an zehn Tagen im Jahr. Diese Evangelisation ist
Dauerzustand. Täglich stehen wir den kleinen ‚Würmchen‘ bei.
Und was passiert außerdem?
Das muss ich Ihnen
auch noch erzählen, weil es nichts
Überzeugenderes gibt als konkretes Einspringen
und Helfen. Dadurch verkündigen wir zugleich die Liebe Gottes auch
den Studenten an den Hochschulen. Sie sehen
uns beim Zupacken, wie wir die armen Kinder versorgen, die auf der
Straße ihr Zuhause haben. Zunächst beobachten uns die Studenten
und sind abwartend und manche sind auch
kritisch; doch es dauert nicht lange, dann kommen sie zu uns mit der
Frage: „Was ist die Triebkraft eures
Handelns“? Unsere Mitarbeiter reden dann von Gott. Von Jesus. Vom
Evangelium. Von der Gemeinde. Und mancher Student kapiert: Es ist
unsere Liebe zu Gott, die uns helfen lässt.
Gott lebt in uns. Er gibt Kraft zum Tun. Und
so ist schon mancher übers Mit-Tun zum
Christen geworden.
Noch einmal will ich Ihnen von Marta Oprita berichten: Sie
leitet in Rumänien unsere Patenkinderarbeit –
zusammen mit Diakon Aurel und Tiby. Sie berichten Monat um Monat
über ihre Besuche in den armen Häusern, die
wir in Deutschland eher als ‚Hütten‘ bezeichnen würden.
Hütten – ohne Wasserleitung, ohne WC und
Waschbecken, oft auch ohne Stromanschlüsse. So primitiv
leben noch viele Landbewohner. Die meisten
von ihnen haben keine feste Arbeit. Darum sind
sie Gelegenheitsarbeiter. Für ihre meist grosse Kinderschar fehlt
es an regelmäßigem Essen – wenn überhaupt
etwas auf dem Tisch kommt. Sind die Kinder krank, fehlt es an Geld,
um einen Arzt zu besuchen. Medikamente sind
teuer. Und für die Schule fehlt das jährlich fällige Schulgeld, das
für jedes Kind zu zahlen ist und was die Eltern nicht haben. Darum
müssen viele arme Kinder zuhause bleiben –
ohne Schulbesuch.
Marta Oprita berichtet in diesem Monat:
„Ich hatte eigentlich nicht vor, an diesem Tag diese Familie
zu besuchen. Aber das ‚Drängen von oben‘
habe ich wahrgenommen: ‚Besuche die Familie Strugaru‘! Sie lebt
in einer armen Hütte auf dem Lande – weit
außerhalb der Stadt. Eines der kleinen Töchterchen ist unser
Patenkind – und so ging ich doch schon an diesem
Tage zu dieser Familie, um das Patenkindergeld für diesen
Monat zu bringen. Als ich zur Tür hereinkam, lag die Mutter auf den
Knien und betete. Sie flehte zu Gott für eine
Lösung. Aber für welche? Als ich mich bemerkbar machte, stand sie auf
und weinte noch immer: „Marta, ich weine Kummertränen. Und jetzt
auch gleichzeitig Freudentränen, weil Sie
gekommen sind. Sie wissen, wir haben eine Kuh. Diese Kuh ist die
einzige Nahrungsquelle der grossen Familie.
Aber sie gibt keine Milch mehr für meine Kinder. Hörst du, wie
die Kinder im Haus vor Hunger weinen? Und hörst du die Kuh? Sie
schreit im Stall – auch vor Hunger. Der
Grund: Die Kinder und ich dürfen die Kuh nicht mehr auf die
Gemeindeweide führen, weil wir die
Weidesteuer nicht bezahlt haben. Wir hatten nicht das Geld dafür.
Der Bürgermeister hat uns den Zugang zu den
Wiesen verboten. Und Heu als Futtervorrat haben wir auch nicht
mehr für die Kuh. Sie droht vor Hunger zu sterben. Ich fand keine
andere Lösung, als dass ich jetzt zu Gott
schrie – und dann kamen Sie, Marta! Ihr Kommen macht mich
glücklich“.
Ich kam, um zu helfen. Mit dem Patenkindergeld aus Deutschland.
Welche Rettung ist das für die hungrigen
Kinder. Die Mutter konnte gleich loslaufen, um Mehl und Öl zu
kaufen. Ich kann Euch nicht genug beschreiben,
welche Freude unsere Hilfe in dieser Familie auslöste. Die armen
Kinder scharten sich um mich herum und ahnten:
Gleich bekommen wir satt zu essen. Aber ich freute mich
auch unbändig darüber, dass Gott mich hörend gemacht hatte und
trotz des kleinen Umweges mich an diesem Tag
zu dieser Familie in Bewegung gesetzt hat. Ist das nicht wundervoll?
ER, der Himmel und Erde bewegen kann, hörte das vezweifelte
Schreien der Kinder und dieser unglücklichen
Mutter – und konnte durch mich, ja durch uns Missionsleute,
handeln. Lasst Euch alle mit großem Dank
herzlich aus Rumänien grüßen. Gott segne Euch alle. Eure Marta
Oprita.
Noch ein paar Kurznachrichten:
Der nächste humanitäre Transport mit
einem Großraum-LKW geht in Kürze nach Rumänien. Wenn
Sie noch Gebrauchtkleidung, Bettwäsche, Schuhwerk und
Kinderkleidung zur Verfügung stellen können,
senden Sie uns diese bald nach Bischoffen, Marta Oprita,
Diakon Aurel und Tiby danken im Voraus für
jedes ‚Stück‘. Wirklich: Jedes Kleidungsstück wird in
Rumänien gebraucht! Mit jeder Spende helfen
wir unvorstellbares Elend zu lindern. Und außerdem: Wir bereiten
enormgroße Freude in den ´Hütten´.
Übrigens: Der Second-Hand-Laden, den Marta in Brasov vor drei Monaten
eröffnete, wartet schon auf ‚Nachschub‘ aus Deutschland.
Deutschland:
Die angekündigten neuen Erzählbüchlein mit
Geschichten aus der Missionsarbeit, die ich schrieb,
sollten bereits zu Ostern im Johannis-Verlag herauskommen. Leider
meldete der Verlag, dass es mit dem Druck
Schwierigkeiten gab, sodass sich die Auslieferung vorerst
verschiebt. Wer bereits die Erzählbüchlein
bei uns bestellte, bekommt sie, sobald sie ausgeliefert werden.
Termin:
Der nächste Freundestag findet am Samstag,
den 17. Juli 2010, wieder in Linden (bei
Rothenburg ob der Tauber) statt, wo wir im
vorigen Jahr ein sehr gutes Miteinander hatten. Wir versenden
Ende Juni 2010 Einladungen an alle, die im Frankenland daheim sind.
Wir laden aber schon heute zu diesem
Freundestag ein. Es gibt auch in diesem Jahr wieder ein harmonisches
Programm, durch das P. Paul Walther und ich
führen werden. Wer für Freunde, Gemeindeglieder oder
Verwandte Einladungszettel braucht, kann sie im Missionshaus in
Bischoffen anfordern. Das geht auch
telefonisch: 06444-92360 (Frau Daniela Müller). Jeder ist herzlich
eingeladen und uns willkommen.
Ich schließe diesen Erzählbrief und grüße Sie –
auch namens des Vorstandes und aller Mitarbeiter in
Ost und West – mit ganz herzlichem Dank für Ihr Mit-Tun, sei
es für Ihre unverzichtbare Gebetsunterstützung
für uns 37 Mitarbeiter/innen oder auch für Ihre guten Gaben. Ohne
Ihre Gaben ist Mission nicht denkbar und
schon gar nicht durchführbar.
Gern gedenke ich Ihrer täglich im
frühmorgendlichen Gebet. Seien Sie gesegnet!
In dankbarer Verbundenheit bin ich
Ihr
Pastor Gerhard Jan Rötting.
Diesen Brief können Sie in gewünschter Zahl nachbestellen.
Auch das
geht telefonisch: 06444-92360.
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Änderung:
28. Mai 2010
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